Die nächsten knapp 100 Kilometer Richtung Heimat lagen hinter uns. Kurve um Kurve schraubten wir uns über den Reschenpass nach oben – weitere 1100 Höhenmeter geschafft. Für eine Nacht schlugen wir unser kleines Basislager erneut in Graun im Vinschgau auf, direkt unterhalb der gewaltigen Staumauer des Reschensee.
Die Abendsonne tauchte die umliegenden Berge bereits in warmes Licht, während die schroffen Felsflanken langsam dunkler wurden. Genau diese Mischung aus rauer Hochgebirgslandschaft und beinahe unwirklicher Ruhe macht diesen Ort jedes Mal aufs Neue besonders.
Nach dem Check-in schnappten wir uns noch einmal die Fahrräder und rollten gemütlich Richtung versunkenem Kirchturm. „Gemütlich“ ist allerdings relativ – denn auch wenn es nur rund 50 Höhenmeter waren: Ohne Pedelec merkt man die Steigung an der Staumauer durchaus in den Beinen. 😅
Am See angekommen lag der berühmte Kirchturm still im leicht grünlich schimmernden Wasser. Fast surreal wirkt er dort draußen, eingerahmt von Bergen und den letzten Sonnenstrahlen des Tages. Natürlich mussten erstmal ein paar Fotos gemacht werden, bevor wir uns auf eine Bank direkt am Ufer setzten und einfach nur den Abend genossen.
Der Reschensee zeigt sich derzeit mit deutlich niedrigem Wasserstand. Einerseits wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten an der Hangstraße und den Schutzbauten aus den 1950er Jahren, andererseits aber auch wegen der zunehmenden Trockenheit. Selbst hier oben in den Alpen merkt man inzwischen deutlich, dass weniger Wasser aus den Bergen nachkommt.
Besonders bedrückend wurde es später an den Infotafeln nahe der Staumauer. Dort wird die Geschichte des Staudamms erzählt – und vor allem die Folgen für die Menschen, die damals ihre Heimat verloren. Ganze Dörfer verschwanden in den Fluten, Bewohner wurden umgesiedelt, jahrzehntelang kämpften viele mit Heimweh und dem Verlust ihrer alten Heimat. Der Kirchturm ist deshalb weit mehr als nur ein beliebtes Fotomotiv. Er ist ein stilles, emotionales Mahnmal einer Landschaft, die geopfert wurde.
Auf der Rückfahrt zog dann plötzlich der Mond langsam hinter einem Berghang hervor. Genau im richtigen Moment. Also nochmal anhalten, Kamera raus – dieses Foto musste einfach noch „in den Kasten“. Zwischen dunklen Felsen, den ersten Schatten der Nacht und dem hellen Mond wirkte die Szenerie fast unwirklich ruhig.
Zurück am Campingplatz hieß es erstmal kultivieren – also duschen. Danach öffneten wir eine der Weinflaschen vom Gardasee, dazu der restliche französische Käse als improvisiertes Abendessen. Nicht luxuriös. Aber genau diese einfachen Abende irgendwo zwischen Bergen, Wein, Campingstuhl und zwei Runden Uno Flip bleiben am Ende meistens am längsten im Kopf.
Und so endete unser vorletzter großer Stopp langsam unter sternenklarem Himmel am Reschensee.
🌡️ 28 °C
















